Gerinnungsstörungen – ein oft übersehener Faktor im Kinderwunsch
Fehlgeburten bleiben oft ohne erkennbare Ursache. Doch manchmal liegt die Antwort im Blut – genauer gesagt: in der Gerinnung. Eine sogenannte Thrombophilie kann verhindern, dass sich eine Schwangerschaft richtig entwickelt. Die gute Nachricht: Viele dieser Störungen sind behandelbar, wenn sie erkannt werden.
Auf dieser Seite erfährst du, wann eine Gerinnungsdiagnostik sinnvoll ist, welche Werte untersucht werden und wie Blutgerinnung mit deinem Zyklus und einer möglichen Schwangerschaft zusammenhängt.

Was ist eine Thrombophilie?

Thrombophilie bedeutet, dass das Blut zu stark zur Gerinnung neigt. Das erhöht das Risiko für Thrombosen – aber auch für Komplikationen in der Frühschwangerschaft.

Arten von Thrombophilien:

  • Erworbene Thrombophilien: z. B. Antiphospholipid-Syndrom (APS), oft autoimmun bedingt
  • Angeborene Thrombophilien: z. B. Faktor-V-Leiden-Mutation, Prothrombinmutation, Antithrombinmangel
  • wiederholte frühe Fehlgeburten (habituelle Aborte)
  • späte Fehlgeburten oder Totgeburten
  • Präeklampsie, Wachstumsverzögerungen, Plazentainsuffizienz
  • Unfruchtbarkeit durch Mikrozirkulationsstörungen

Welche Werte werden untersucht?

Eine vollständige Thrombophilie-Diagnostik kann folgende Parameter beinhalten:

UntersuchungBedeutung
Faktor-V-LeidenHäufigste genetische Gerinnungsstörung
Prothrombinmutation (Faktor II)Genetische Thromboserisikoerhöhung
Antithrombin IIIGerinnungshemmender Faktor – Mangel erhöht Risiko
Protein C und Protein SRegulieren die Blutgerinnung – Mangel = Risikofaktor
Lupus-Antikoagulans, aPL-AKHinweise auf Antiphospholipid-Syndrom
D-Dimere, INR, Quick, PTTHinweise auf akute Gerinnungsaktivität
HomocysteinErhöhter Wert kann die Gefäßfunktion beeinträchtigen

📌 Hinweis: Nicht alle Werte müssen immer bestimmt werden – das entscheidet die Fachärztin je nach Situation.


Wann ist eine Abklärung sinnvoll?
Eine Thrombophilie-Diagnostik ist vor allem dann ratsam, wenn:

  • es Hinweise auf Plazentainsuffizienz oder Wachstumsverzögerung gab
  • du mehr als zwei Fehlgeburten hattest
  • es in deiner Familie Fälle von Thrombosen, Embolien oder Abortgeschehen gibt
  • bei dir bereits eine Thrombose oder Lungenembolie auftrat
  • du unerklärlich nicht schwanger wirst

Und wenn dann tatsächlich eine Gerinnungsstörung festgestellt wird, kann oft mit einfachen Mitteln geholfen werden.

Behandlungsmöglichkeiten

  • Heparin (niedermolekular): blutverdünnend, senkt Thrombose- und Abortrisiko
  • ASS 100 (Aspirin niedrig dosiert): wirkt blutplättchenhemmend
  • Folsäure + B-Vitamine: bei erhöhtem Homocysteinwert
  • Engmaschige Betreuung in der Schwangerschaft

💡 Die Therapie beginnt meist schon bei positivem Schwangerschaftstest – oder bei starkem Verdacht auch schon davor.