Meine Kinderwunschreise

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Zwischen zwei Fehlgeburten, Diagnostik-Dschungel und einer stillen Geburt

Im September 2023 traf es uns unerwartet und doch so gewollt. Nach einem Urlaub mit Freunden kehrten wir heim, und ganz kurz darauf entstand ein Wunder.

Ich bemerkte, dass meine Brüste extrem wehtaten, sogar schon vor Ausbleiben der Periode. Ein paar Tage später, da wurde mir plötzlich beim Autofahren schlecht. Wir waren gerade mit einem Freund unterwegs, um sein Auto abzuholen, doch ich musste im Auto warten – ich habe mich beinahe übergeben.
Das kannte ich nicht von mir. Ein Blick auf meinen Ruhepuls brachte mich dann letztendlich drauf. Er war hoch, ungewöhnlich hoch und ich googelte.
Ein Schwangerschaftssymptom…?
Schließlich machte ich dann zuhause einen Test: positiv.
Ich hatte wirklich Angst, denn wir hatten das Thema erst kurz zuvor. Er wollte noch warten, ich war bereit. Denkt er jetzt, ich habe das absichtlich gemacht? Kann er sich überhaupt freuen?
Tausend Gedanken waren in meinem Kopf und ich hab erstmal einige Minuten geweint. Vor Freude, vor Aufregung, vor Angst.

Wir verhüteten natürlich, doch mein Eisprung kam wohl früher als gedacht – und plötzlich war da dieses kleine Wunder in mir.

Und dann bat ich ihn ins Schlafzimmer, ließ ihn sich hinsetzen und er sagte es direkt: „Du bist schwanger.“ Er hat gelächelt, ich war erleichtert. Alles war gut.
Wir wollten immer Kinder, das stand für uns nie in Frage. Und nun eben etwas früher und ungeplant, aber das war nicht mehr wichtig.

4 Wochen später: Halloween, mein liebster Tag, wurde im selben Jahr zu meinem dunkelsten. Ich hatte meinen ersten Frauenarzttermin bewusst für die 7. Woche gelegt, in der Hoffnung, das kleine Herzchen schon pochen zu sehen. Doch stattdessen sah ich nur Stille. Alles war längst vorbei. In diesem Moment zerbrach mein Herz. Ich entschied mich, auf einen natürlichen Abgang zu warten – und wartete. Ich wurde nicht dahingehend beraten, kannte mich aber glücklicherweise zumindest ein bisschen in dem Thema aus. Daher wollte ich die Ausschabung vermeiden.

Der natürliche Abgang war zermürbend.
Es hat sich zwar einen Tag nach dem Termin schon angekündigt mit ganz komischen Brocken, die immer wieder mit aus mir rauskamen, aber richtig losgehen wollte es nicht. Ich habe tagelang Tee getrunken, mich bewegt, alles, nur um den Abgang zu fördern. Wir hatten eine Deadline. Wenn es bis dahin nicht von alleine klappte, stand eine Ausschabung an. Genau einen Abend vorher, da hat mein Freund mir einen scharfen Ingwertee gekocht. Und siehe da, 2 Tassen Tee und einen langen Spaziergang später, war es soweit.

Ich blutete ungefähr ab 23 Uhr. Ich glaube es waren so 3 Stunden. Wir hatten gerade unser Bett erneuert und die alte Matratze lag im Gang vor unserem WC. Mein Freund hat es sich darauf gemütlich gemacht, mir die Hand gehalten, und Musik angemacht. Meine Lieblings-Anime-Hits. Und irgendwie hatte ich es überlebt und diese Erinnerung zu etwas besonderem gemacht damit. Ich wusste, das war nicht das Ende der Welt.
In dieser Nacht ging die Fruchthöhle ab. Zwei Nächte später suchte mich der Alptraum erneut heim. Wieder Wehen. So stark, dass ich kaum noch konnte. Und nach Stunden des Ertragens, in denen ich nicht wusste, was los war, da musste ich niesen. Und dann merkte ich es, da kam nochmal was. Die Erschütterung hatte wohl was angestoßen…
Ich stürmte ins Bad und da war sie: die Plazenta. Ich traute meinen Augen kaum, rief meinen Freund und er googelte was da gerade aus mir rauskam.
Das waren dann wohl Nachwehen. Ich wusste nicht, wie mir geschieht.

Die Monate danach waren schwer, für mich, für uns. Erst im Januar 2024 konnte ich wieder aufatmen. Der Verlust hat uns in der Entscheidung gefestigt, es nochmal zu versuchen. Langsam sammelte ich mich, fand zurück in meinen Körper, trainierte, um ihm die besten Voraussetzungen für neues Leben zu geben. Und tatsächlich, im März erblühte wieder Hoffnung in mir. Ein leises Flüstern: Vielleicht diesmal…

Doch im April folgte der nächste Schlag. Ich ging früh zum Arzt, alles sah gut aus, nur eine kleine Blutung störte das Bild. Das Herz schlug, wir waren glücklich, ich hielt zum ersten Mal meinen Mutterpass in den Händen. Zum ersten Mal fühlte es sich echt an. Aber in der 8. Woche verließ uns unser Wunder erneut. Diesmal wartete ich bis zur 12. Woche, doch ein natürlicher Abschied war mir nicht vergönnt: Ich musste loslassen, durch eine Ausschabung.

Ich erinnere mich noch gut daran. Der frühe Weg ins Krankenhaus, Tabletten nehmen und ungefähr 7 Stunden auf dem Zimmer warten. Ich hatte nette Zimmernachbarinnen. Eine Vietnamesin, und eine Deutsche. Die Deutsche, sie hatte Krebs. Wie schlimm, das wusste sie noch nicht. Aber sie war so voller Energie und Hoffnung, dass ich mir dachte: „Angelique, deine Situation ist mies, aber es könnte schlimmer sein. Nimm dir ein Beispiel und bleib positiv.“

Irgendwann gegen 15.30 Uhr wurde ich dann geholt. Ich wurde in einen kalten OP-Saal gebracht. Der Anästhesist war gruslig. Er sah aus, wie mein alter Mathelehrer. Das gab mir ein ungutes Gefühl. Noch dazu wurde ich dort dann 10 Minuten alleine gelassen. Nur ich und mein Herzschlag an der Maschine, der immer schneller und unruhiger wurde. Und dann war es irgendwann soweit, ich schlief ein, träumte von meinem Lieblingsort aus The Legend of Zelda und wachte wieder auf. Mein Baby war weg. Ich war leer. Aber mein Partner füllte mich so gut er konnte mit seiner Liebe auf.

Von Mai bis September drehte sich alles um die Frage: Warum? Wir suchten Antworten, ließen uns testen, gaben Blut ab, saßen endlose Stunden in Wartezimmern. Anfang September hielten wir schließlich alle Ergebnisse in den Händen – und einen Plan. Unseren Masterplan.

Die genaue Diagnostik findest du hier auf meinem Instagram Profil.

Am 18. Januar 2025 standen die Sterne günstig. Eine seltene Sternenkonstellation schmückte den Nachthimmel, genau an meinem Eisprung. Wir waren uns sicher: Wenn es diesmal klappt, dann steht diese Schwangerschaft unter einem besonderen Stern – und es klappte.

Drei Monate später wagte ich es zum ersten Mal, Hoffnung zuzulassen. Mit der Therapie sah endlich alles gut aus, so gut wie nie zuvor. Vorsichtig begann ich, meinem Körper zu vertrauen. Doch mit dem Ersttrimesterscreening kam der Schock: Trisomie 21. Wir informierten uns. Doch alles was wir sahen, machte uns Angst. So schwer es war, wir waren uns einig – wir würden unser Kind gehen lassen. Die genauen Beweggründe werde ich in einem separaten Beitrag beschreiben.

Am 25. April 2025, in der 17. Schwangerschaftswoche, begann der Abschied. Nach wochenlangem Stillstand, nach unzähligen Tränen, rief endlich das Krankenhaus. Stunden später kam unser kleiner Sohn Sora still zur Welt. Ein Engel. 17 cm, 100 g. Wir hielten ihn, wir verabschiedeten uns, wir ließen ihn gehen. In mir war nur Leere, Trauer, Wut. Und dennoch – ein kleines Licht. Die ganze Geschichte zur stillen Geburt kannst du hier lesen.

Denn ich weiß: Der Masterplan wirkt. Und er wird es wieder tun.

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