
Meine Schwiegermutter hat neulich beim Frühstück geweint.
Um ihre Mama, die vor knapp 1,5 Jahren verstorben ist.
„Sie hatte nie viel Geld, aber immer viel Liebe.“
Das hat sie über sie gesagt.
Und dann habe ich nachgedacht über meine Mama.
Ich habe inzwischen die Hälfte meines Lebens ohne sie verbracht.
Sie hat alles verpasst.
Meinen Abschluss.
Meine Schwangerschaften.
Meine Erfolge, meine Fehler, meine Tränen.
Mein ganzes Leben.
Ich weiß nicht, wo sie ist.
Ob sie noch lebt.
Wie sie heute aussieht.
Ich habe keine Nummer, keine Adresse, keinen Weg zu ihr.
Ich frage mich oft was schlimmer ist:
Ein Grab voller Liebe?
Oder ein Herz, das dich nie wollte?
Ich habe Angst,
dass ich sie nie wiedersehe.
Nie wieder mit ihr spreche.
Nie sagen kann,
was sie mir trotz allem noch bedeutet.
Ich war 16,
als ich nach einem Rosenkrieg zu meinem Vater zog.
Sie hatte einen neuen Partner.
Sie trank und rauchte schon vorher,
aber mit ihm wurde alles noch dunkler.
Er behandelte mich schlecht.
Er isolierte sie von mir.
Und ich war oft allein. Zu oft.
Dann kam diese Nacht.
Ich hatte mich ausgesperrt.
Sie war wütend, außer sich.
Drohte, mich ins Heim zu geben.
Als er handgreiflich wurde,
rief ich meinen Vater an.
Ich packte meine Sachen.
Meine Katzen.
Und ging.
Das hat sie mir nie verziehen.
Ich habe es später unzählige Male versucht.
Wir wohnten fast nebeneinander.
Sie fuhr manchmal an mir vorbei.
Schüttelte nur den Kopf.
Kein Wort. Kein Blick.
Ein letztes Mal stand ich vor ihrer Tür.
Ich wollte reden, nur auf einen Kaffee.
Aber sie sagte nein.
Ich solle sie in Ruhe lassen, für immer.
Wie Unkraut.
Wie ein Kapitel, das sie nie geschrieben haben will.
Und jetzt bin ich selbst (Sternen)Mama.
Und ich frage mich oft,
wie es wohl ist, all das mit der eigenen Mutter zu erleben.
Unsere Kinder werden eine Oma weniger haben.
Nicht, weil sie gestorben ist.
Sondern weil sie sich entschieden hat,
nicht Teil von uns zu sein.
Und trotzdem hoffe ich.
Nicht auf den Tag, an dem jemand sagt: Sie ist gegangen.
Sondern auf den Moment,
an dem ich ihre Stimme höre.
Kein Grab,
Sondern Worte, ein Blick.
Ein einziges Mal noch.
Oder vielleicht –
endlich wieder.
Mama, du fehlst. 🩷

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