Therapie – der erste Schritt

Startseite » Selbstliebe & Heilung » Therapie – der erste Schritt

Therapie nach einer stillen Geburt – mein ganz persönlicher Anfang đŸ€

Therapie. Ein Wort, das lange nichts mit mir zu tun hatte. Ich dachte immer, ich bin stark genug, um das alleine zu schaffen. Nach meinen Fehlgeburten habe ich es auch versucht – durchgehalten, weitergemacht, funktioniert.

Und dann kam die stille Geburt.
Und meine FrauenĂ€rztin sagte: „Sie mĂŒssen jetzt jemanden zum Reden haben.“
Ich? „Ach, ich glaube, ich brauche das nicht.“
Sie bestand jedoch drauf.
Also ja – ich wurde quasi „gezwungen“. Und heute weiß ich: Es war das Beste, was mir passieren konnte.

Ich stehe noch ganz am Anfang meiner Therapie. Es fĂŒhlt sich noch nicht nach „Erkenntnis“ oder „Heilung“ an, aber nach etwas, das mir guttut. Und genau darĂŒber möchte ich hier schreiben, falls du selbst darĂŒber nachdenkst, diesen Schritt zu gehen.

1. Der erste Schritt: Hilfe annehmen

Mein erster Gedanke war: „Ich brauche das nicht.“ Aber nach allem, was passiert war, war der Druck einfach zu groß.
Ich habe gemerkt: Manchmal sieht jemand anderes klarer, dass du nicht mehr alles alleine tragen musst – in meinem Fall meine FrauenĂ€rztin. Sie schrieb mich 8 Wochen krank, empfahl mir mehrere Psychologinnen und bestand darauf, dass ich darĂŒber rede, was passiert ist- auch, um gestĂ€rkt und gut begleitet in eine Folgeschwangerschaft gehen zu können.

Mein Tipp:

  • Sprich mit deiner GynĂ€kologin oder deinem Hausarzt. Sie können Adressen geben oder dich direkt ĂŒberweisen. Manchmal haben sie gute Kontakte.
  • Mit stillen Geburten steht dir eine Trauerhilfe zur VerfĂŒgung, die dir ebenfalls professionelle Stellen ans Herz legen wird.
  • Nutze Plattformen wie therapie.de oder psych-info.de, um selbst nach Therapeut:innen zu suchen.

2. HĂ€ufigkeit und Ablauf

Die meisten Therapien laufen einmal pro Woche mit einer Sitzung von 50 Minuten.
Bei einer Kurzzeittherapie sind das meist 24 Sitzungen, also ungefÀhr ein halbes Jahr.

Was ich wichtig finde: Es gibt immer ein VorgesprĂ€ch, um zu schauen, ob die Chemie passt. Es ist völlig normal, wenn du nach dem ersten Termin merkst: „Das fĂŒhlt sich nicht gut an.“ Dann such weiter – das ist dein gutes Recht.

Ich hatte zum Beispiel zwei Zusagen, habe mich aber am Ende fĂŒr eine Therapeutin entschieden, die ungefĂ€hr in meinem Alter ist und in meiner NĂ€he arbeitet. Das BauchgefĂŒhl hat einfach gepasst – und das macht einen großen Unterschied.

3. Erste Erkenntnisse aus meinen Sitzungen

Schon in den ersten Stunden habe ich gelernt, dass Therapie nicht nur aus Reden besteht, sondern aus Werkzeugen, die wirklich im Alltag helfen.

🧠 Das 70%-PhĂ€nomen

Meine Therapeutin erklĂ€rte mir: Unser Gehirn funktioniert in Stresssituationen wie ein Akku. Bei 70 % Überlastung schaltet der Verstand ab und die Panikattacke ĂŒbernimmt.

đŸȘž FrĂŒher gegensteuern

Bei 65 % Stresslevel lenke ich bewusst um:

Diese Übung zwingt dein Gehirn, den Fokus zu wechseln – weg von der Panik, hin zur RealitĂ€t.

❄ Körperreize bei akuter Panik

Kommt die Attacke trotzdem:

  • HĂ€nde unter eiskaltes Wasser
  • EiswĂŒrfel festhalten
  • Kaltes Wasser ins Gesicht

Das setzt einen Reiz, den dein Körper nicht ignorieren kann, und unterbricht die Panikspirale.

💭 Wie es mir in der Schwangerschaft geholfen hat

Vor ein paar Tagen hatte ich in dieser Schwangerschaft wieder einen dieser Momente: Plötzlich schoss die Angst hoch – Herzrasen, Schweiß, das GefĂŒhl, keine Luft zu bekommen. Ich habe automatisch das gemacht, was wir in der Therapie geĂŒbt haben:

Ich schaute mich um und begann, leise zu zÀhlen.

  • FĂŒnf Dinge sehen: der Vorhang, meine Wasserflasche, die Kerze, die Couch, die Katzen.
  • Vier Dinge hören: den KĂŒhlschrank, das Ticken der Uhr, leise Stimmen draußen, meinen eigenen Atem.
  • Drei Dinge fĂŒhlen: meine kalten HĂ€nde, den Stoff meiner Hose, die Armlehne.
  • Zwei Dinge riechen: den Kaffee in der KĂŒche, mein Duschgel.
  • Eine Sache schmecken: den Minzgeschmack von meinem Tee.

Nach zwei Minuten war mein Puls ruhiger. Kein Wundermittel – aber ein kleiner Anker, um nicht komplett in der Panik zu versinken.

4. GefĂŒhle annehmen – nicht verdrĂ€ngen

Ein Aha-Moment in meiner Therapie: Es gibt vier Grundmechanismen, wie wir mit Emotionen umgehen – alle völlig normal.

  • Vermeidung – GefĂŒhle wegschieben, Ablenkung suchen, Dinge aufschieben
    • Gesund: Spazieren gehen, eine Serie schauen
    • Ungesund: Dauerhaft alles verdrĂ€ngen, nie darĂŒber sprechen
  • Kampf – Aggressionen entwickeln
    • Gesund: KonfliktfĂ€higkeit
    • Ungesund: Ausrasten, schreien, gewalttĂ€tig werden
  • Selbstberuhigung – sich etwas Gutes tun
    • Gesund: Ein Glas Wein zur bewussten Entspannung, Sport, Meditation
    • Ungesund: Alkoholmissbrauch, exzessives Training, Essstörungen
  • Unterwerfung – du tust etwas fĂŒr jemanden
    • Gesund: Ich helfe, weil ich weiß, dass es gerade das Beste ist. Ich trage davon keinen Schaden.
    • Ungesund: People Pleasing, hingegen seiner Überzeugung etwas tun

Mein Learning: Das Verhalten ist nicht das Problem – das Ausmaß entscheidet. Ein Glas Wein kann okay sein, exzessiver Konsum nicht. Sport kann guttun, aber stundenlanges Training, um sich zu betĂ€uben, ist ein Warnsignal.

5. Kosten, Diagnosen und BĂŒrokratie

Die Kosten ĂŒbernimmt in den meisten FĂ€llen die Krankenkasse, sobald eine Diagnose wie „Anpassungsstörung“ oder „Trauerreaktion“ gestellt wird.

Aber Achtung:

  • Diagnosen können z. B. bei einer Verbeamtung oder beim Abschluss einer BerufsunfĂ€higkeitsversicherung relevant werden.
  • Offizielle EintrĂ€ge können die Konditionen verschlechtern oder zu RĂŒckfragen fĂŒhren.

Mein Tipp:

  • Sprich mit deinem Therapeuten, wenn du unsicher bist.
  • Starte im Zweifel privat, bevor die Diagnose an die Kasse geht, falls du berufliche PlĂ€ne hast, bei denen das eine Rolle spielt.

6. Therapie ist kein Sprint

Es ist Arbeit. Manche Wochen fĂŒhlen sich leichter an, andere schwerer. Und oft tut es zu Beginn der Therapie besonders weh.

Ich mache aktuell Schematherapie – nicht nur wegen der stillen Geburt, sondern weil ich gemerkt habe, dass vieles in meinem Leben aufgearbeitet werden will. Alte Muster. Hohe AnsprĂŒche. Dinge, die mich schon lange begleiten.

7. Was mir bisher hilft

  • Notizen machen. Gedanken zwischen den Sitzungen festhalten.
  • SelbstfĂŒrsorge. SpaziergĂ€nge, Pausen, kleine Rituale.
  • Geduld. Heilung passiert nicht ĂŒber Nacht.

8. Du musst nicht „krank genug“ sein

Ich habe lange gedacht, ich hĂ€tte kein „Recht“ auf Therapie, weil „andere schlimmere Geschichten“ haben. Aber das ist falsch.
Dein Schmerz zÀhlt. Dein Weg zÀhlt.

9. Anlaufstellen & Hilfe

  • Telefonseelsorge: 0800 – 111 0 111 (kostenlos & anonym)
  • Kontaktiere deine Krankenkasse – sie haben eine Liste mit Anlaufstellen in deiner NĂ€he
  • nutze Online-Suchportale
  • Selbsthilfegruppen: Besonders nach stillen Geburten sehr wertvoll.
  • Frage auch nach Gruppentherapien. Oft bekommst du da schneller einen Platz, wĂ€hrend du auf der Warteliste fĂŒr eine Einzeltherapie stehst.
  • Frage deine Hausarzt- oder Frauenarztpraxis
  • Sprich mit Freunden – Hat jemand vielleicht eine Empfehlung?

10. Mein Fazit

Ich bin noch am Anfang – aber ich merke schon jetzt: Therapie ist kein Zeichen von SchwĂ€che, sondern von Mut. Ich verwandle meine grĂ¶ĂŸten „SchwĂ€chen und Baustellen“ in meine grĂ¶ĂŸten StĂ€rken.
Ich bin mir selbst dankbar, dass ich diesen Schritt gegangen bin und nun endlich mein inneres Kind und die verletzte Frau im Jetzt heile, stĂ€rke – zur besten Version ihrer selbst mache. đŸ€

Entdecke mehr BeitrÀge

  • emptiness

    The more I drunk The emptier I got

  • Comfort in darkness

    There’s comfort in darkness where no one can see me there’s comfort in darkness where no one can reach me nothing…

  • dreams

    Empty womb Full of tears Heart is broken You disappeared Blood soaked gown Full of fears I don’t know what this…

  • million worlds

    There are 8 billion worlds on our planet 8 billion hearts, no understanding I’m just one in a sea of noise…

  • Flowers

    If you had bought me flowers  Maybe it would have been alright  Instead you left the door And I was drowning…

  • Rain

    Names picked out, Rooms painted light But fate rewrote us in the night Now lullabies just echo pain And motherhood dissolves…

  • 💔

    I’m learning how to let things die But I never learned how to say goodbye

  • Baby shoes, never worn

    Baby shoes Never worn Empty womb Never born Baby shoes, never worn Once again I’m left on my own Empty womb,…

  • Donauwelle mal anders

    Zutaten fĂŒr den 🧁 Teig:80 g Butter 40 g Apfelmark100 g Zuckerersatz (bei mir „Schugga“ – Mischung aus Erythrit und Stevia)3…

  • rise like a phoenix

    I used to be crazy I used to be wild I used to be young I was a child Fought countless…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert